Dipa und Magdalena

Magdalena M. studiert Sozialwissenschaften in Düsseldorf. Hier berichtet sie von ihren Erfahrungen als Nachhilfelehrerin bei Studenten bilden Schüler e. V.

Magdalena M.

„Gerade zwei Wochen war ich an der Uni, musste mich nicht mehr jedes Mal durchfragen, um zum Hörsaal zu kommen, wusste so langsam, wann die beste Zeit ist in die Mensa zu gehen und hatte schon meinen Stammplatz im Seminar. Kurzum, so langsam fing ich an, mich einzuleben. So kam ich also - gefühlt schon ein 'alter Hase' - aus der Vorlesung. Beiläufig blieb mein Blick an der Pinnwand hängen: 'Verkaufe meinen Schrank', 'Tandempartner Deutsch-Spanisch gesucht', 'Suche dringend WG'“

„Auf einmal blieb ich stehen und riss einen Zettel ab. 'Hast du Lust, Kindern aus einkommensschwachen Familien ehrenamtlich kostenlose Nachhilfe zu geben', stand da auf dem Zettel. Ja, das hatte ich! Also nahm ich mit der Standortleitung in Düsseldorf Kontakt auf und schon bald wurde mir ein Nachhilfekind zugeteilt.“

„Dipa ist 17 Jahre alt und seit fünf Jahren in Deutschland. Er lebt in einem Düsseldorfer Kinderheim. Einmal die Woche komme ich seither in seine Wohngruppe, wir setzen uns an seinen Schreibtisch und üben Deutsch. Hausaufgaben nacharbeiten, Grammatikaufgaben machen, sinnvolle Texte schreiben – all das fällt Dipa nicht leicht, doch er ist immer hoch motiviert. Dipa will unbedingt lernen und weiterkommen und ist dabei, seinen Weg zu finden.“

„Natürlich ist es manchmal anstrengend, Sachen zum wiederholten Male zu erklären, doch Dipa ist sehr neugierig und stellt manchmal Fragen, die auch mir einen ganz neuen Blick eröffnen. Er interessiert sich für sehr viel: Geschichte, Politik, Geografie – und so bleibt es in unserer Nachhilfestunde oft nicht nur beim sturen Grammatiklernen. Wir haben mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis. Dipa erzählt mir von seiner schwierigen Vergangenheit und den Problemen, mit denen er jetzt zu kämpfen hat.“

„Aus den zwei Jahren, die wir nun gemeinsam lernen, konnten wir beide viel mitnehmen. Dipa hat regelmäßige Unterstützung, konnte große Fortschritte im Fach Deutsch machen und hat jemanden, der ihm zuhört. Ich habe durch Dipa gelernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen, bin mit ihm durch Höhen und Tiefen gegangen und wurde durch ihn sehr bereichert.“